Lähmungserkrankungen

Der Begriff Lähmungserkrankungen umfasst verschiedene Formen von Muskel- oder Nerven-Erkankungen, die zu schweren Lähmungen führen. Zu dieser Gruppe zählen außerdem Querschnittlähmungen.

In allen Fällen können die Muskeln krankheitsbedingt keine Bewegungen mehr ausführen. Das Gehirn ist jedoch nach wie vor in der Lage, enstprechende Steurungsimpulse zu generieren.

Über den Krankheitsverlauf

Die einzelnen Krankheitsbilder weisen teils sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe auf. Stellvertretend für andere Erkrankungen, die schwere Lähmungen verursachen, sollen die folgenden Krankheitsbilder an dieser Stelle näher betrachtet werden:

Muskeldystrophie

Muskeldystrophie ist der Oberbegriff für verschiedene Muskelerkrankungen, die zu einer Rückbildung des Muskelgewebes führen. Es gibt etwa 30 unterschiedliche Formen von Muskeldystrophien. Ihre Entstehung ist häufig genetisch bedingt, teilweise allerdings auch noch nicht eindeutig geklärt. Die bekanntesten Dystrophie-Formen sind die Ausprägungen Duchenne und Becker-Kiener.

Verantwortlich für den Muskelschwund ist ein erblich bedingter Mangel an dem Muskel-Protein Dystrophin, beziehungsweise ein Defekt in der Zusammensetzung von Dystrophin und anderen Proteinen, dem Dystrophin-Glykoproteinkomplex.

Die Erkrankung verläuft progressiv, das heißt, die Betroffenen sind zunehmend in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Auch die Sprache kann beeinträchigt sein. Je nach Form der Dystrophie schreitet die Krankheit langsamer oder schneller voran. Bislang ist keine Behandlungsmöglichkeit bekannt, um die Rückbildung der Muskulatur aufzuhalten.

Die verschiedenen Formen von Dystrophien treten in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Das Risiko einer Erkrankung liegt im Schnitt zwischen 1:2000 und 1:5000. Der Beginn der Krankheit setzt in der Regel im Kinder- und Jugendalter ein.

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Die Bezeichnung amytrophe Lateralsklerose hat der französische Arzt Jean-Martin Charcot geprägt, der 1874 als erster das Krankheitsbild beschrieb. Amyotroph steht für einen Verlust von Muskelmasse, Lateralsklerose bezeichnet eine Verhärtung des seitlichen Rückenmarks.

Ausgangspunkt der Muskulatur-Rückbildung ist eine Schädigung der Motoneuronen, also derjenigen Nervenzellen, die für Bewegungen zuständig sind. Hierdurch geht die Verbindung zwischen dem Gehirn und den Muskeln verloren. Die Steuerimpulse für Bewegung kommen nicht mehr an. Die Muskulatur bildet sich zurück.

Je nach dem an welcher Stelle die Motoneuronen zuerst betroffen sind, äußert sich die Krankheit zu Beginn etwas unterschiedlich. Sind zuerst die Vorderhornzellen im Rückenmark befallen, schwindet die Muskulatur zunächst in Armen und Beinen bis hin zur Atemmuskulatur. Trifft die Erkrankung als erstes die motorischen Nervenzellen im Hirnstamm, zeigen sich erste Schwierigkeiten in der Sprach-, Schluck- und Kaumuskulatur. Begleitet werden diese Schwächesymptome von Muskelzuckungen und zunehmenden Lähmungserscheinungen, die sich häufig in kurzer Zeit ausbreiten. Bei der Mehrzahl der Betroffenen bildet sich das Krankheitsbild innerhalb von 3 bis 5 Jahren aus.

Die Herkunft der Erkrankung ist in der großen Mehrheit der Fälle bis heute nicht geklärt. Bei 5-10 % der Betroffenen lassen sich offensichtlich genetische Vorbedingungen ausmachen, die zu einem häufigeren Vorkommen der Krankheit innerhalb einer Familie führen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse deuten auf Zusammenhänge mit der fehlerhaften Funktion eines Reparatur- und Abbau-Proteins hin.

ALS ist eine seltene Erkrankung. Durchschnittlich sind etwa 3 bis 8 von 100.000 Menschen an ALS erkrankt. Die meisten davon sind im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.

Querschnittlähmung

Unter Querschnittlähmung fallen mehrere Symptome, die von einer Unterbrechung der Nervenbahnen im Rückenmark herrühren. Neben einer Lähmung der Beine (Paraplegie) und evtl. auch der Arme (Tetraplegie) treten dabei Veränderungen im Spannungs- und Dehnungsverhalten der Muskulatur sowie im Kreislaufsystem auf.

Ursache für die Querschnittlähmung sind zumeist Unfälle, bei denen die Betroffenen einen Bruch der Wirbelsäule erleiden. Andere Gründe für die Lähmung können z.B. auch Versorgungsstörungen der Wirbelsäule, Tumore oder Schlaganfälle sein.

Der Schweregrad der Lähmung hängt von der Stelle ab, an der die Nervenbahn im Rückenmark unterbrochen wurde. Je höher diese sogenannte Läsion der Wirbelsäule liegt, desto größer ist die Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten für die Betroffenen.

Jedes Jahr erleiden ca. 30.000 Menschen weltweit eine Querschnittlähmung. Die Lebenserwartung von Para- und Tetraplegikern unterscheidet sich kaum von der durchschnittlichen Lebenserwartung. Nur in Fällen einer sehr hohen Läsion, bei denen z.B. eine künstliche Beatmung notwendig wird, ist sie deutlich verkürzt.

Mögliche Therapieformen

Eine Heilung der hier genannten Lähmungserkrankungen ist nach heutigem Stand der Medizin in der Regel nicht möglich. Einzig im Bereich der Querschnittlähmung können in manchen Fällen Heilungserfolge erzielt werden, etwa durch eine operative Behandlung.

Je nach Krankheitsbild haben die Betroffenen die Möglichkeit, durch entsprechende Medikamentierung den Krankheitsverlauf zu verlangsamen beziehungsweise Beschwerden zu lindern.

Daneben erfahren die Betroffenen intensive Betreuung durch Physio- und Ergotherapeuten, gegbenenfalls auch Psychologen, Logopäden und andere.

Der Ansatz

CorTec stellt auf der Basis seiner Brain Interchange-Technologie ein implantierbares System, das Hirnaktivität messen und stimulieren kann zur Verfügung.

Bewegungen lösen jeweils unterschiedliche Muster an Hirnsignalen aus. Gelähmte Menschen können solche Bewegungen in der Realität nicht mehr ausführen. Wenn sie sich die Bewegung vorstellen, ist ihr Gehirn in den meisten Fällen jedoch weiterhin in der Lage, die gleichen Signale zu produzieren.

Mit Hilfe der CorTec Brain Interchange Technologie können unsere Kunden diese Signale dekodieren und gezielt als Steuerkommandos einsetzen. Gelähmte Menschen können damit erlernen, Hilfsmittel wie Computer, später auch Rollstühle oder Orthesen zu steuern. Aktuell verfolgen wir ein Entwicklungsprojekt, in dem wir in Kooperation mit unseren Partnern zunächst ein System für Kommunikation und Umgebungssteuerung auf der Basis einer neuronalen Steuerung erarbeiten. Erste Studien mit diesem System planen wir in naher Zukunft.

Weiterführende Literatur

  • Heiko vom Bruch: Bewegungsbehinderungen. Übersicht und funktionelle Grundlagen. Thieme Verlag. Stuttgart u.a. 1998
  • Helga Kesser: Starke Leben. Wie Muskelkranke ihren Alltag bewältigen. Sachbuchverlag rüffer & rub. Zürich 2009
  • Volker Daut: Leben mit Duchenne-Muskeldystrophie. Eine qualitative Studie mit jungen Männern. Bad Heilbrunn 2005 (online)
  • Simone Spuler und Arpad von Moers: Muskelkrankheiten. Grundlagen, Diagnostik und Therapie. Schattauer. Stuttgart 2004
  • Denis Bron und Dieter Pongratz: Muskeldystrophie Duchenne in der Praxis. Verlag Hans Huber. Bern 2010
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Eine Information für Patienten und Angehörige. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. und Schweizerische Muskelgesellschaft. 2012 (online)
  • DGM-Handbuch ALS. Mit der Krankheit leben lernen. HRSG. Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. Freiburg 2010 (online)
  • Bernhard Neundörfer: Praxis der amyotrophen Lateralsklerose. Uni-Med-Verlag. Bremen [u. a.] 2002
  • Math Buck, Dominiek Beckers und Cees Pont: Querschnittlähmung. Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Angehörigen. Springer. Berlin u.a. 1996
  • Leben mit Querschnittlähmung. FGQ-Info. Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten e.V. Jährlich
  • Volker Dietz: Querschnittlähmung. Physiopathologie, Klinik und Therapie von Blasenfunktion, Bewegung und Vegetativum. Kohlhammer. Stuttgart 2000